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Die Schneeflockenmethode

Es gibt verschiedene Ansätze, wie Autoren Ihre Geschichten entwickeln. Die einen schreiben ohne Plan nieder, was ihnen in den Sinn kommt. Andere erstellen sich lieber im Vorhinein eine genaue Struktur. Ein gutes Beispiel dafür ist J. K. Rowling. Sie hat alle Harry Potter Teile detailliert geplant, bevor sie sich richtig ans Schreiben gemacht hat. Somit haben wir das große Glück, einen wahnsinnigen Kosmos an vermeintlichen Zufällen, Charakter- und Handlungsentwicklungen mitzuerleben.

Die Schneeflockenmethode ist eine Strategie, die Ihnen dabei hilft, methodisch aus einer Idee einen kompletten Roman zu entwickeln – ob Rowling sie verwendete, ist nicht überliefert. Sie besteht aus 10 Schritten und wurde vom amerikanischen Schriftsteller Randy Ingermanson entwickelt.

1. Ihre Geschichte in einem Satz

Fassen Sie die Idee für Ihre Geschichte in einem Satz zusammen, um die Kernaussage festzuhalten. Versuchen Sie dabei, 15 Wörter oder weniger zu benutzen und vermeiden Sie Charakternamen. Nehmen Sie den Charakter, der am meisten zu verlieren hat und beschreiben Sie dann, was er gewinnen möchte. Dieser Satz ist der rote Faden für Ihren Roman.

2. Aus eins mach fünf

Erweitern Sie Ihre Geschichte um fünf Sätze: Formulieren Sie Anfang, drei Katastrophen und den Schluss. Während die erste Katastrophe noch ein zufälliges Ereignis sein kann, sollten die anderen logisch aus der Geschichte hervorgehen.

3. Hauptfiguren

Nun können die Hauptfiguren Ihres Werks grob beschrieben werden: Name des Charakters, Motivation und Ziel des Charakters, Konflikt des Charakters sowie seine Veränderung. Wechseln Sie jetzt auch die Perspektive und beschreiben Sie die Sicht der Figuren auf die Geschichte in einem Satz. Prüfen Sie dann, ob diese zu Ihrer Ein-Satz-Zusammenfassung aus dem ersten Schritt und den fünf Sätzen aus Schritt zwei passt. Falls das nicht der Fall ist, ändern Sie eines von beiden oder beides entsprechend ab. Wägen Sie dabei ab, was Ihnen wichtiger ist, Ihre Grundidee oder die Charaktere?

4. Fünf mal fünf

Jetzt kann Ihre Geschichte ausgestaltet werden. Nehmen Sie die fünf Sätze aus Schritt zwei. Machen Sie aus jedem Satz fünf Sätze. Jeder, abgesehen vom Schluss, soll in einer Katastrophe enden. Nun steht das Grundgerüst Ihres Buchs und Sie können sich ausführlicher mit dem Inhalt beschäftigen.

5. Weiterentwicklung der Charaktere

Beschreiben Sie nun den gesamten Handlungsverlauf aus der Sicht des Protagonisten. Was denkt und fühlt Ihr Charakter an wichtigen Stellen? Randy Ingermanson empfiehlt, die Hauptfiguren auf jeweils einer Seite zu beschreiben und wichtigen Nebencharakteren jeweils eine halbe Seite zu widmen.

6. Von einem Satz zu vier Seiten

Nachdem Sie Ihre fünf Sätze bereits auf 25 erweitert haben, bauen Sie diese zu einer vierseitigen Beschreibung aus. Schildern Sie den Anfang, die Wendepunkte und den Schluss genauer. Überlegen Sie sich, wie Sie die Teile verbinden, planen Sie ins Detail und prüfen Sie, ob auch in der langen Fassung alles Sinn ergibt.

7. Charaktersteckbriefe

Nun werden die Hauptfiguren weiter ausgearbeitet. Beschreiben Sie zu den Charakteren jeweils die Biografie, das Aussehen und deren soziales Umfeld.

8. Szenen auflisten

Erstellen Sie eine Tabelle, in der Sie sämtliche Szenen festhalten. Jede Szene erhält eine eigene Zeile mit mehreren Spalten: Ort, Tageszeit, Perspektive, Inhalt. Beschreiben Sie dabei so detailliert wie möglich, was passiert. Ein Roman umfasst je nach seinem Umfang ungefähr 100 Szenen.

9. Das optionale Analysieren

Dieser Schritt ist laut Ingermanson optional. Jede einzelne Szene wird nun geprüft und in einem Satz zusammengefasst. So entsteht am Ende eine circa fünfzigseitige Zusammenfassung, mit der sich optimal arbeiten lässt.

10. Schreiben!

Da die ganze Vorarbeit jetzt geleistet ist, können Sie nun alles Schritt für Schritt ausformulieren und sich dem kreativen Prozess des Schreibens widmen.

Ina Schulz
Marketingleitung

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