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Die Eroberung des Buchhandels

Obwohl die meisten Bücher mittlerweile online gekauft werden, ist das Erobern der Auslage einer klassischen Buchhandlung noch immer das zentrale Ziel der meisten Autoren. Nichts scheint wichtigerund frustrierender zugleich. In der Branche wird prognostiziert, dass klassische Buchhandlungen verschwinden, weil der Druck durch den Online-Versandhandel einfach zu groß ist.Spezielle Geschäfte und kleine Buchhandlungen, in denen der Verkäufer noch genau weiß, welches Buch er anbietet, werden sich halten und verbreiten – große Ketten, die jetzt schon mehr Spartenware anbieten, ziehen sich zurück.

Wieso streben Verlage und Autoren also trotzdem an, im Regal einer Buchhandlung zu stehen?

Für viele Autoren heißt, in einer Buchhandlung vertreten zu sein, es geschafft zu haben. Man gehört zu den etablierten Schreiberlingen und wird von den Massen gekauft, und das bringt natürlich Geld. Verlagen geht es da nicht anders. In einer großen Buchhandlung(skette) vertreten zu sein oder gar auf einem Büchertisch mit Empfehlungsschreiben zu liegen, bedeutet auch, dass man beim Stöbern auffällt, zufällig entdeckt und gekauft wird oder zumindest auf der Wunschliste einer Leseratte landet.

Aber wie kommt man als unbekannter Autor in die Auslage?

Schaut man sich diese mal an, dominieren bekannte Schriftsteller, vermeintliche Prominente und die großen Publikumsverlage. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass man einen Namen haben muss, um einen Platz zu erhalten oder einen großen Verlag im Rücken braucht. Sagt das zwingend etwas über die Qualität eines Buches aus? Nein!

Ist es der Service, der das Einkaufen in einer örtlichen Buchhandlung attraktiv macht? Dass man in einer Buchhandlung ein Buch bestellen kann und dieses dann über Nacht da ist, ist uns allen bereits bekannt. Aber mal im Ernst –ich lese hauptsächlich Bücher aus dem Bereich Fantasy, die nicht im örtlichen Buchhandel vertreten sind. D.h. ich recherchiere online, ob mein Lieblingsautor ein neues Buch herausgebracht hat und welche neuen Produkte es so gibt. Dann gehe ich aber nicht mit meiner Liste in den Laden um die Ecke und bestelle dort, sondern klicke natürlich auf »kaufen« und habe es am nächsten Tag auch. Wo ist also die Praktikabilität?

Und wenn ich zu den großen Ketten gehe – aber auch zum kleinen Laden – und dort sage, wen ich gern lese und ob es etwas Vergleichbares gibt, kennen die meisten Mitarbeiten die Autoren leider gar nicht, so dass ich unverrichteter Dinge nach Hause gehe und doch wieder den Rechner anschalte. Wo ist also der Extraservice, für den ich mich aus dem Haus begebe? Sicherlich hat jeder damit so seine eigenen Erfahrungen.

Schaut man sich aber gerade den Fantasy-Bereich an, verkaufen Autoren online 100e von Büchern, ohne dass ein Verlag ihre Bücher vertritt oder eine Buchhandlung je etwas von ihnen gehört hat. Eine optimale Selbstvermarktung, eine loyale Fanbasis und tolle Geschichten sorgen für großartige Verkaufszahlen. Es gibt sie also, die noch unbekannten Autoren mit super Verkäufen und das ganz ohne den stationären Buchhandel.

 

Trump, Katzenberger und 50Shades of Grey liegen ja nicht aufgrund ihrer literarischen Unverzichtbarkeit in der Auslage, sondern weil eine Menge Geld in Werbung investiert wurde, so dass der Händler sich sicher sein kann, dass die Bücher sich verkaufen und die Kosten (Miete, Gehalt, Werbung, etc.) der Buchhandlung gedeckt werden. Wenn man es nicht schafft, seine Leser dazu zu bringen, in die Buchhandlung zu gehen und das Buch dort zu kaufen und so dafür zu sorgen, dass die Buchhandlungen nicht erst auf Bestellungen regieren, sondern das Buch vorrätig haben, was tut man als Autor dann?

Denkbar wäre ein Modell, bei dem man sich einkauft. Das scheint mehr und mehr Zukunftsmusik zu sein und wird schon längst praktiziert. Denn nachdem die Läden vermehrt unter hohen Mieten, sinkendem Absatz und steigenden Personalkosten leiden, wäre das für sie ein sicherer Posten auf der Habenseite. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten.Und im Prinzip auch nichts anderes, als bei Amazon für eine bessere Platzierung zu bezahlen oder einen Artikel oder eine Anzeige zu kaufen.Leider wird diese Möglichkeit totgeschwiegen, weil es offenbar noch verpönt ist. Fragt man bei Thalia konkret nach, wie die Konditionen für einen Büchertisch sind, bekommt man keine Antwort. Dabei weiß jeder Vertriebler, dass es schon einmalmind. 50% Rabatt auf Bücher sind.

Bessere Chancen hat man sicherlich in örtlichen BH, gerade wenn man aus der Region kommt und vom Heimvorteil profitieren kann. Oder ein Thema bedient, das in einer Buchhandlung im Vordergrund steht – Kinderbücher oder Sachliteratur zum Beispiel. Schwierig ist es, wenn man gänzlich unbekannt ist und ein Geschäft aufsucht, das nur dem Mainstream folgt. In kleineren Orten ist die Auswahl an Anbietern sicher nicht so groß wie in der Hauptstadt.

Aber auch die von Günther Grass und Co gegründete »Autorenbuchhandlung Berlin« – eigentlich bekannt dafür, unkonventionellen Autoren einen Platz in der Auslage zu geben – vertritt mittlerweile die Meinung: Wenn man keinen Namen hat, ist es unmöglich, im Regal zu stehen.

 

Kann man ihnen diese Einseitigkeit vorwerfen? Sicher nicht. Rechnungen müssen bezahlt werden, die Buchhändler möchten sich am Ende des Monats auch ein Gehalt zahlen und Rücklagen bilden. Also ist es doch nur verständlich und offensichtlich, dass man als Autor und auch Verlag nur mit Kapital einen Platz in der ersten Reihe finden wird. Denn sind wir mal ehrlich: So angenehm der Online-Einkauf ist und so geschickt die sozialen Netzwerke uns mit gezielter Werbung zu Käufen anregen, so gern gehen wir doch alle stöbern.

Nichts ist schöner, als ein Buch in die Hand zu nehmen, das Cover zu betrachten und die Rückseite zu studieren. Darauf wollen wir doch alle nicht verzichten … und auf die Buchhandlungen auch nicht. Also sollten wir alle an einem Strang ziehen und uns gegenseitig unterstützen. Was für den Händler bedeutet, auch mal einem unbekannten Autor eine Chance zu geben und sich nicht vor neuen Büchern, die nicht auf konventionellem Weg veröffentlicht wurden, zu verschließen und für den Käufer, in das Geschäft zu gehen und nicht nur bei Amazon zu bestellen. Wir haben alle unsere Existenzberechtigung und wenn wir alle etwas mehr aufeinander zugehen würden, könnten wir uns sicher alle gegenseitig bereichern.

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