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Sinn und Unsinn der Buchmessen

Wenn heute Abend wieder die Buchmesse in Frankfurt/Main feierlich eröffnet wird, rückt die Buchbranche einmal mehr in das Interesse der Öffentlichkeit. Doch welchen Sinn machen Buchmessen in der heutigen, schnellen Zeit eigentlich noch – und welchen Nutzen haben Sie für Autoren?

Was die Messe bisher ausmachte

Es gibt drei Faktoren, die die Buchmessen ausmachten: Austausch mit dem Buchhandel, Pressekontakte und der Branchentreff. Gerade Frankfurt als weltweite größte Buchmesse ist natürlich ein Treffpunkt der Branche, man kommt mit Kollegen aus aller Welt zusammen und Abends gibt es immer an verschiedenen Ständen feuchtfröhliche Empfänge. Als ich 1998 das erste Mal die Buchmesse in Frankfurt besuchte (seitdem bin ich als Verleger regelmäßig dort vertreten, was also 35 erlebte Buchmessen ausmacht), war es aber tatsächlich auch noch ein Austausch mit den Buchhändlerinnen und Buchhändlern. Man kannte sich persönlich, die Buchhändlerinnen haben sich für die Inhalte der Bücher interessiert und gleich am Stand mit Messerabatt bestellt. Doch diese Verkaufsplattform ist verschwunden.

Heute werden Bücher vor allem über den Grossisten oder über Amazon verkauft – mit allen stehen wir jeden Tag in Kontakt und im engen Austausch. Kleine Buchhändler hingegen stehen so unter wirtschaftlichen Erfolgszwang, dass der Besuch einer Messe eher als Luxus betrachtet werden kann.

Bleibt als Nutzen für den Autor (und der Werbung für seine Bücher) also vor allem die Pressearbeit – doch die findet vornehmlich im Vorfeld statt, denn zur Buchmesse müssen die Beiträge ja schon laufen. Und nicht jeder Redakteur bekommt in Zeiten des Sparzwangs in den Redaktionen noch eine Fahrt zur Messe finanziert.

Daher ist der Blick auf die Buchmessen sicher auch kritisch. Heute schaffen es gerade noch die allergrößten Verlage, eine Show zu machen – obwohl auch dort die Qualität der interessanten Personen oft auf das Niveau eines Dieter Bohlen oder einer Katzenberger abfallen. Alle anderen Verlage hingegen präsentieren oft sehr einheitlich ihre Neuerscheinungen und die Wahrnehmung liegt manchmal eher im Bereich des Zufalls.

Also alles ohne Nutzen? Nein.

»Das Buch wurde auf der Buchmesse präsentiert« ist sicher noch immer ein Türöffner, um Aufmerksamkeit zu erregen. Die Pressearbeit im Umfeld ist sehr wichtig und natürlich ist gerade Frankfurt immer ein guter Start in das Herbst- und Weihnachtsgeschäft. Wir genießen die zahlreichen persönlichen Treffen mit unseren Autoren am Messestand, den Austausch mit interessierten Autoren und Lesern und allgemein den Messetrubel. Wenn man weiß, wie die Messe zu nutzen ist, dient es auch dem Verkauf der Bücher des einzelnen Autors. Wer aber als Autor meint, allein die Präsentation auf der Messe bedeute nun den großen Durchbruch und alle Scheinwerfer würden sich auf ihn richten, der irrt.

Insofern ist und bleibt die Buchmesse in wichtiges Mosaiksteinchen im Gesamtmarketing für Autor und Buch – nicht mehr und nicht weniger.

Rodja Smolny, Verleger
Rodja Smolny

Verleger seit 1999 und Geschäftsführer der Europäische Verlagsgesellschaften GmbH

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