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Die 4 Erzählperspektiven – Welche eignet sich für mein Buch?

Es gibt vier Typen in der Erzähltheorie, die verschiedene Vorteile haben. Manche eignen sich für bestimmte Buchprojekte besser als andere. In diesem Artikel stellen wir Ihnen die verschiedenen Arten der Erzählperspektive vor.

Die Erzählperspektive bestimmt, aus welcher Sicht die Geschichte erzählt wird. Die Art und Weise, in der die Geschichte erzählt wird, beeinflusst auch den Leser und seine Stimmung während des Lesens. Die Wahl des Erzählers ist entscheidend für das Hintergrundwissen, das dem Leser vermittelt wird. Nicht jeder Erzähler weiß über die Beweggründe der bzw. aller Protagonisten Bescheid.

Es gibt auktorialen, personalen, neutralen und den Ich-Erzähler.

Auktorialer Erzähler

Der auktoriale Erzähler ist während des Geschehens persönlich anwesend und weiß uneingeschränkt über alle handelnden Personen und dessen Beweggründe Bescheid. Man nennt ihn deshalb auch allwissenden Erzähler. Er führt durch die Handlung und gibt nach und nach sein Wissen preis. Der auktoriale Erzählstil zeichnet sich durch Kommentare und Wertungen des Erzählers aus. Er gibt Rückblicke und nimmt Handlungsstränge teils auch vorweg. Er weiß mehr als die Figuren und weiß, was diese denken und fühlen.

Personaler Erzähler

Der personale Erzähler berichtet aus Sicht eines Charakters oder mehreren. Er kann dabei nur über die Gefühle, Eindrücke und Gedanken der Person berichten, in dessen „Kopf“ er sich befindet. Er weiß nur, was die Figur auch weiß. Er wertet und kommentiert somit auch nicht. Rückblicke gibt es nur, wenn sich die Person selbst erinnert oder von einem Ereignis erzählt. Für diesen Stil sind die erlebte Rede und der Monolog charakteristisch.

Ich-Erzähler

Der Ich-Erzähler ist eine Figur der Geschichte, die aus der eigenen Perspektive erzählt, was geschehen ist oder gerade geschieht. Es muss sich dabei nicht zwangsläufig um die Hauptfigur handeln. Eine Nebenfigur kann auch aus ihrer Sicht schildern, was passiert. Er kann nur über die eigenen Gefühle und Sinneseindrücke berichten. Der Ich-Erzähler zeichnet sich durch eine starke emotionale Beteiligung am Geschehen aus. Er gibt keine Kommentare oder Wertungen von außen ab. Zudem unterscheidet sich der Ich-Erzähler in zwei verschiedene Typen: Das erzählende (auktoriale) Ich erzählt die Geschichte rückwirkend und ist somit das Geschehen betreffend allwissend. Das erlebende oder personale Ich beschreibt das aktuelle Geschehen und wie es dieses im Moment wahrnimmt. Es kann sich erinnern, aber nicht vorausschauen. Diese Erzählperspektive ist stark subjektiv.

Neutraler Erzähler

Bei dem neutralen Erzähler spricht man auch vom erzähllosen Erzählen. Der Erzähler ist bei dem Geschehen nicht anwesend und greift nicht in die Handlung ein. Er ist rein beschreibend, was man äußerlich sieht und kommentiert nicht. Der Leser wird nicht durch eine individuelle Sicht beeinflusst. Charakteristisch sind hier vor allem Dialoge und Monologe sowie szenische Darstellungen. Die neutrale Erzählperspektive wird vor allem bei dramatischen Texten genutzt.

Will man sich nicht so recht entscheiden oder bei gewissen Situationen mehrere Seiten beleuchten, eignet sich der polyperspektivische Ansatz. Dabei wird immer wieder zwischen den verschiedenen Erzählarten gewechselt. Günther Grass nutzte dies für seine Blechtrommel und auch Diana Gabaldon wechselt in ihren Romanen kapitelweise zwischen Ich- und personalem Erzähler. Wenn ihre Heldin in einer Szene nicht anwesend ist, wird die Handlung aus der Sicht eines anderen Protagonisten erzählt.

Bei der Wahl der passenden Erzählperspektive für Ihr Buch gibt es also einiges zu beachten. Wenn Sie sich unsicher sind stellen Sie sich die folgenden Fragen:

  • Soll der Leser die Gedanken und Gefühle meiner Figuren kennen?
    Nein? Dann sollten Sie den neutralen Stil wählen.
  • Soll das Geschehen aus der Sicht einer Figur geschildert werden?
    Nein? Dann kommen Ich- und personaler Erzähler nicht in Frage.
  • Soll ein außenstehender Erzähler sein eigenes Urteil und Kommentare abgeben?
    Nein? Dann wählen Sie nicht den auktorialen Erzähler.
Auktorialer E. Personaler E. Ich-Erzähler Neutraler E.
Aus Sicht 1 Person
Aus Sicht mehrerer Personen
Gefühle, Gedanken
Subjektiv
Rückblenden, Vorwegnahmen
Objektiv
Ina Schulz
Marketingleitung

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