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Die »Spezies« Illustrator: Im Interview mit Illustratorin Diana Aghte

Genauso wichtig wie Autoren, aber oft unbekannt: Illustratoren. Sie geben unseren geliebten Büchern das künstlerische Gesicht, das sie so einzigartig machen. Ohne sie wären unsere Buchseiten ziemlich farblos und trotzdem wissen wir so wenig über sie.

Heute möchten wir euch die »Spezies« Illustrator einmal vorstellen. Im Interview mit Diana Aghte haben wir erfahren, was es eigentlich bedeutet, als Zeichner seine Brötchen zu verdienen. Also, wenn ihr das nächste Mal ein Buch in die Hand nehmt, bei dem euch die Bilder besonders gut gefallen, schaut euch doch auch mal den Illustrator an und nicht nur den Autor. 😉

 

Hallo Diana, kurz zu deiner Person: Du bist 28 Jahre alt, wohnst in Berlin und bist seit nun mehr als vier Jahren freischaffende Illustratorin. Mich würde erst einmal interessieren was man als Illustratorin überhaupt genau macht?

Als Illustrator gibt man einem Text oder einer Geschichte eine individuelle Gestalt und haucht dem Ganzen etwas Leben ein. So kann man emotionalisieren, Phantasie anregen oder einfach die Seiten verschönern.

 

Und wie bist du Illustratorin geworden?

Das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben. Zeichnen konnte ich eigentlich schon immer gut, aber die Zeichenkurse während meines Modedesign-Studiums haben das Ganze dann auf eine professionellere Ebene gebracht. Mein Grafik-Design-Dozent hat mir damals meinen ersten Auftrag verschafft und so bin ich erst darauf gekommen …

 

Lebst du nur vom Illustrieren oder gibt es noch andere Projekte/Tätigkeiten, denen du nachgehst?

Momentan bin ich wieder Studentin. Mein Geld verdiene ich hauptsächlich mit Auftragsarbeiten. Ich wünschte, ich hätte nebenher noch mehr Zeit, um meine eigenen Projekte besser verfolgen und vermarkten zu können. Meine Portraits und Modeillustrationen kommen in letzter Zeit ein bisschen zu kurz.

 

In welchem Bereich bist du hauptsächlich tätig?

Die größeren Projekte sind meistens Kinderbücher. Es sind aber auch viele kleinere Aufträge dazwischen, die ganz unterschiedlich sein können – vieles davon ist Werbe- und Grafikdesign wie Logos, Etiketten usw. aber auch private Anfragen wie Karikaturen, oder Portraits kommen vor.

 

Wie kommst du an deine Aufträge?

Ich werde in der Regel angefragt. Es kommt aber auch schon mal vor, dass ich eine Ausschreibung sehe, auf die ich mich bewerbe.

Wenn du eine Anfrage für eine Illustration bekommst, wie gehst du vor? Wie entscheidest du, ob du den Auftrag annimmst?

Wenn ich denke, ich kann den Vorstellungen gerecht werden, mir das Projekt gefällt und die Rahmenbedingungen passen, dann steht dem nichts im Wege.

 

Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich habe eine rege Phantasie und kann mir Bildliches gut einprägen. Das schlummert dann alles gemeinsam irgendwo im Hinterkopf und wird je nach Bedarf aktiviert. Ich versuche immer soviel wie möglich in mich aufzusaugen – vielleicht lässt es sich irgendwann mit etwas anderem kombinieren und zu etwas Neuem machen.

Ich finde es immer schwierig, den Arbeitsaufwand einzuschätzen. Ich glaube, dass man sich als Künstler auch gut in Kleinigkeiten verlieren kann. Bist du sehr diszipliniert und gibst dir selbst eine Zeitvorgabe für eine Illu oder dauert es so lang, wie es eben dauert?

 Man kann sich wirklich unendlich lange in Kleinigkeiten verlieren. Und man findet auch immer Dinge, die man nochmal anders versuchen könnte. Wenn man dem immer nachgeht, verliert man ganz schnell den Blick aufs Ganze und kommt nicht voran.

Ich habe mit der Zeit gelernt, die Sachen fertig zu stellen, ohne dabei zwanzig Mal vom Kurs abzukommen. Durch Auftragsarbeiten bin ich auch etwas mehr an Vorgaben und Deadlines gebunden, das hilft. Genaue Zeitvorgaben mache ich mir dennoch nie, denn keine Illustration ist wie die andere und auch die Tagesform variiert stark. Das kann man nicht so einfach festlegen.

Man braucht aber definitiv Disziplin, um den Kurs zu halten und ein gutes Zeitmanagement, um die Deadlines einzuhalten.

 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Ich könnte mir vorstellen, dass Illustrator kein 9-to-5-Job ist …

Nein, in der Tat, das ist er auf keinen Fall. Bei mir zumindest. Am besten kann ich nämlich nachts arbeiten, das ist nicht immer ganz ideal einzugliedern.

Und es kommt eben auch noch hinzu, dass es Zeiten gibt, in denen ich keine anstehenden Aufträge habe und dann wieder welche, wo ich den Pinsel nicht mehr aus der Hand lege und eine Deadline die andere jagt.

 

Welche Projekte hast du am liebsten? Gibt es ein Buch aus der Vergangenheit, das du besonders gern gestaltet hast?

Ich bin sehr glücklich über alle Kinderbücher, die ich illustrieren durfte.

Die Charaktere sind manchmal so ulkig, dass man einfach schmunzeln muss. Es ist ein schönes Gefühl, etwas Liebenswürdiges zu erschaffen, das bei einer Modezeichnung so nicht aufkommen würde.

 

Gibt es einen bestimmten Stil, in dem du zeichnest? Gibt es generell bestimmte Stile, die man als Illustrator beherrschen/abdecken sollte? Mich würde interessieren, ob man als Künstler von einem Verlag zum Beispiel schon deshalb nicht angefragt wird, weil man Bereich xy nicht abdeckt und wenn ja, führt das dazu, dass du dir diesen Stil dann aneignest?

Tatsächlich ist mein Stil nicht super fix. Zum einen ist es natürlich gut, flexibel zu sein, es kann aber auch ein Problem sein, wenn man sich auf einen Job bewirbt und nicht mit dem einen ‚Signature Style‘ daher kommt. Für mich persönlich ist es aber das angenehmste, weil ich dadurch so viele verschiedene Projekte annehmen kann und es nie langweilig wird. Es läuft bei mir aber am häufigsten auf Aquarellzeichnungen hinaus, in dem Bereich würde ich mich daher auch ansiedeln … Beherrschen sollte man eben seinen eigenen Stil und definitiv auch Grafik-Programme, sonst hat man gegenüber der Konkurrenz leicht einen Nachteil.

 

Wenn dich jemand buchen möchte, wie kann der/diejenige am besten auf dich zugehen? Gibst es bestimmte Dinge, die ein Autor zum Beispiel beachten sollte, wenn er dich für die Gestaltung eines Kinderbuches gewinnen möchte?

Ideal ist es immer, wenn ich schon weiß, in welche Richtung es gehen soll und wenn ich sehe, dass der Autor sich schon über seine eigenen Vorstellung im Klaren ist. Manche Autoren wissen aber gar nicht, was passen würde. Das ist dann auch vollkommen okay. In der Regel mache ich dann Vorschläge, z.B. mit einer Probezeichnung oder mit einem Storyboard. Die Vorstellung des Autors ist mir sehr wichtig, ich will nicht einfach mein Ding durchziehen und irgendwas malen, womit der Autor am Ende nicht glücklich ist. Der Autor sollte mir am Anfang also einfach die Dinge so schildern, wie sie sind und mir all seine Vorstellungen teilen, dann ist das ein guter Start. Ein bisschen muss der Autor natürlich auch Vertrauen in mich haben, aber bisher war das immer gegeben.

 

Arbeitest du nur für andere oder veröffentlichst du deine eigenen Sachen auch selbst?

Eine eigene Veröffentlichung ist natürlich ein Traum, der sich hoffentlich noch erfüllen wird. Meine Werke hängen aber mittlerweile an den Wänden verschiedener Wohnungen, auch in meiner eigenen Wohnung hängen ein paar meiner Illustrationen. Die meisten meiner Arbeiten schlummern aber noch (teilweise unfertig) in meinen Archiven und warten darauf, wieder ans Licht zu kommen.

Wer weiß, vielleicht lade ich irgendwann mal zu einer Ausstellung ein. (grinst)

 

Wie arbeitest du am liebsten? Stift und Papier oder digital?

Mit Pinsel und (viel) gutem Papier. Am liebsten fange ich einfach an und denke nicht groß nach, was da passiert. Ganz frei. Ich liebe es auch zu kollagieren, dann werden Magazine zerrissen, aufgeklebt, übermalt, etc. Das kann auch mal zur Sauerei führen.

Das beschreibt aber eher die Herangehensweise an meine eigenen Projekte. Bei einem Buchprojekt über ein kleines Schutzengelchen, das in zarten Aquarelltönen erscheinen soll, gehe ich aber zum Beispiel etwas sanfter vor.

 

Ist es für dich als Auftragnehmer entscheidend, dass du deine Arbeiten auch digital zur Verfügung stellen kannst? Würden dir Aufträge verloren gehen, wenn du sagen würdest, ich zeichne grundsätzlich auf Papier und um die Digitalisierung müssen sich dann andere kümmern?

Die Frage wird sich mir nie stellen. Ich mag das Digitalisieren sogar sehr gerne. Es gehört für mich als Arbeitsschritt einfach dazu. Man sieht das Bild nochmal in einer anderen Form, kann gegebenenfalls Fehler ausbessern und außerdem sind die Werke so auch gleich digital archiviert. Wenn die Sachen gedruckt werden sollen, ist es sowieso schwer daran vorbeizukommen.

 

Kannst du uns erklären, wie du an das Illustrieren herangehst? Zeichnest du um den Text herum oder entwirfst du erst deine Bilder und passt die Schrift dann hinterher an? Worauf muss man allgemein achten, damit am Ende ein harmonisches Bild aus Illu und Text entsteht?

Am Anfang gebe ich mir erstmal Zeit, um die Geschichte zu verinnerlichen. Dann fange ich mit ersten Skizzen und einem Storyboard an. Dabei arbeite ich viel in meiner ausgedruckten Version des Textes, die am Ende voll ist mit Markierungen und Anmerkungen. So habe ich das Zusammenspiel von Text und Illustration auf den jeweiligen Seiten eigentlich schon zu Anfang vor Augen.

Insgesamt sollten die Illustrationen am Ende ausgewogen und abwechslungsreich sein, damit es insgesamt ein schönes Buch ergibt. Den Hauptfiguren schenke ich immer am meisten Aufmerksamkeit. Sie tragen in der Regel die Stimmung der Geschichte.

 

Gibt es Punkte an deiner Arbeit, die dich frustrieren? Ich könnte mir vorstellen, dass es manchmal schon unbefriedigend ist, wenn der Autor die Lorbeeren für ein Buch einstreicht und überschwängliches Feedback erhält, aber niemand dem Illustrator zur gelungenen Verbilderung gratuliert. Oder sehe ich das zu düster?

Ja, ich glaube damit haben viele Illustratoren zu kämpfen. Das liegt einfach in der Natur der Sache. Auf dem Buch steht der Name des Autors, nicht des Illustrators. Mich persönlich frustriert das aber nicht so sehr, weil ich das ja im Vorfeld weiß und mein Name immer an erkennbarer Stelle steht. Und wenn man es genau nimmt veröffentliche ich ja auch viel mehr Bücher als meine Autoren, daher ist es nicht so schwer ihnen ‚die Lorbeeren‘ einfach zu gönnen. Stolz kann ich ja trotzdem immer sein.

 

Raubt dir der professionelle Aspekt deiner Arbeit manchmal den Spaß am Zeichnen? Du sitzt ja nicht romantisch in der Sonne und malst verträumt vor dich her, sondern hast Deadlines, die du einhalten musst, gestalterische Vorgaben und musst darauf achten, dass du genug Aufträge hast, um davon leben zu können, aber auch nicht zu viele, um alles zu schaffen.

Eher raubt mir die professionelle Arbeit die Zeit. Wenn man mal einen künstlerischen ‚Flow‘ hat ist es meistens sinnvoller, ihn in das aktuelle Projekt zu lenken als auf irgendwas freies. Und wenn dieser Flow dann vorbei ist, ist der Tag vorbei und man legt sich schlafen. Ich kann dann immer sehr gut schlafen.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Diana. Viel Erfolg und Freude weiterhin beim Zeichnen.

 

 

Diana Aghte, geb. 1990, studierte Modedesign in Hamburg, lebt seit 2015 in Berlin

www.dianaillustration.com

Anfragen an hello@dianaillustration.com

 

Alle Zeichnungen wurden uns von der Illustratorin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank! 

 

 

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