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Eine Zauberformel für den Buchverkauf

Wie verkaufe ich ein Buch? Das ist DIE Frage, die sich alle Autoren täglich stellen und an der auch erfahrene Verlagsmitarbeiter regelmäßig verzweifeln. Beinahe täglich diskutiere ich mit unseren Autoren darüber, was sie erwarten, was wir machen SOLLEN und MÜSSEN, damit das Buch xyz auch der nächste Bestseller wird. Ganz oben auf der Liste steht dabei – neben der klassischen Buchhandelsauslage – Talkshows und große Fernsehsender anschreiben und Interviews organisieren.

Dabei frage ich mich immer, wann ich das letzte Mal bei RTL oder Sat1 über neue Bücher informiert wurde oder einen Autor, der nicht auch Showmaster, Arzt oder Sänger ist, bei Riverboot & Co gesehen habe … Wieso gehen Autoren also davon aus, dass das funktionieren würde und das große Ziel sein sollte? Sicherlich kann ein Auftritt auf großer Bühne Bekanntheit versprechen, aber ist es wirklich zielführend und realistisch für einen Neuautor? Oder schießt man damit übers Ziel hinaus und wird eher enttäuscht als motiviert?

 

Bevor Sie sich also überlegen, was Sie von den Medien erwarten, überlegen Sie sich erst einmal, wer Ihre Zielgruppe ist und wen Sie überhaupt ansprechen möchten. Als Kinderbuchautor müssen Sie ja ganz anders werben, als als Sachbuchautor.

 

Analysieren Sie Ihr eigenes Kauf- und Leseverhalten: Wenn Sie selbst nur online einkaufen, wieso ist es Ihnen dann wichtig, im Regal einer Buchhandlung zu stehen, und kaufen Ihre Leser dann auch dort ein? Schreiben Sie selbst Rezensionen für gelesene Bücher und beschäftigen Sie sich vor dem Kauf eines Buches mit den Bewertungen? Wenn nicht, wieso erwarten Sie das dann von Ihren Lesern? Wenn Sie nicht beim Verlag, Autor, Illustrator oder Hörbuchsprecher anrufen und das gerade konsumierte Produkt loben, wieso denken Sie, dass das andere Leser bei Ihrem Produkt machen würden?

Eine gesunde Erwartungshaltung schützt nicht nur vor Enttäuschungen, sondern hilft auch, die richtige Werbestrategie zu finden.

 

Nachdem Sie nun genau wissen, wen Sie ansprechen möchten und was Sie sich für eine Resonanz versprechen, überlegen Sie, wie Sie starten könnten und ob Sie vielleicht eine Besonderheit in Ihrem Buch verarbeitet haben, die Sie nutzen könnten.

 

Ein Beispiel: Sie sind Autor eines Krimis, dessen Handlung in Ihrem örtlichen Tennisverein spielt. Ihr erstes Ziel sollte also sein, jedem Mitglied des Vereins ein Buch anzudrehen. Gehen Sie zur Vereinsleitung und fragen Sie, ob Sie Plakate aufhängen und Flyer auslegen oder vielleicht sogar mal eine Lesung veranstalten dürfen.

Als Nächstes sprechen Sie die örtlichen Buchhandlungen an und stellen sich vor. Regionale Autoren und Bücher sind immer gern gesehen und finden auch oft den Weg in die Auslage. Nutzen Sie Ihren Heimvorteil!

Werbung beginnt immer im Kleinen und entwickelt sich ins Große. Die örtliche Tageszeitung ist sicher gern bereit, über Sie zu berichten, denn was in ihrer Region passiert, interessiert ihre Leser. Und je nach Resonanz haben Sie so auch die Möglichkeit, in einem überregionalen Blatt zu erscheinen.

 

Nachdem Sie es nun geschafft haben, Ihre Buchpräsentation zu planen und im Vereinsraum erfolgreich durchzuführen, müssen Sie unbedingt daran denken, jedes Feedback, das Sie bekommen haben, zu beantworten und für möglichst viele Leser zur Verfügung zu stellen. Bitten Sie also die Mitglieder des Tennisvereins, ihre Meinung als Bewertung in den bekannten Online-Shops zu hinterlassen, und reagieren Sie auf bereits erhaltene Meinungen.

Jeder Artikel, der über Sie und Ihr Buch in Zeitungen erscheint, sollten Sie unbedingt digitalisieren. In der Zeitung von heute wird morgen der Fisch eingewickelt, aber was einmal im Internet steht, ist so schnell nicht zu entfernen und erreicht wirklich JEDEN.

 

Heute kommen Sie als Autor nicht mehr um die sozialen Netzwerke herum. Sie müssen nicht unbedingt eine eigene Website haben, aber Facebook, Instagram und Co sollten für Sie selbstverständlich werden. Nirgends erreicht man seine Leser schneller und effektiver als im Netz. Kündigen Sie Ihre Präsentation als Veranstaltung an und laden Sie so auch gezielt diejenigen ein, die darüber berichten könnten. Blogger/Influencer heißt es Neudeutsch – bedeutet aber nichts anderes, als die Menschen anzuschreiben, die sich über das »Hobbymäßige« hinaus mit bestimmten Themen beschäftigen und deren Meinung dazu von unendlich vielen Usern konsumiert wird.

Sie können also in Ihrem Fall den örtlichen Redakteur, den Vorstand des Tennisvereins aus dem Nachbarort oder auch Ihre Bekannte einladen, die nicht direkt um die Ecke wohnen.

Machen Sie Fotos von der Präsentation oder sogar ein kleines Video. Auf ein gutes Bild reagiert der Nutzer sofort und bleibt dadurch auch an einem Artikel/Thema hängen, das er sonst nicht konkret gesucht hätte.

 

Der Buchmarkt ist umkämpfter denn je und bei all den Möglichkeiten, die es heute gibt, ist es auch für große Publikumsverlage zu einem Pokerspiel geworden, jedes Projekt sichtbar am Markt zu platzieren. Und so werden auch Bücher eingestampft, die nicht im ersten Quartal den erwarteten Umsatz einspielen und somit nicht die Vorgaben der Geschäftsleitung erfüllen. Seien Sie also nicht enttäuscht, wenn sich Ihre Ziele nicht gleich im ersten Anlauf erfüllen. Hartnäckigkeit und Disziplin gehören zum Autorenleben wie das Schreiben und die Kreativität. Und wenn Sie tatsächlich »nur« schreiben, um berühmt zu werden, so muss ich Ihnen leider sagen, dass das nicht nur das falsche Ziel ist, sondern auch so wahrscheinlich eintreffen wird, wie der Sechser im Lotto.

Gerade am Anfang sollten Sie für jede Rückmeldung, jeden Kommentar und jedes verkaufte Buch dankbar sein und Ihre Leserschaft ernst nehmen, sei sie auch noch so klein. Niemand wird über Nacht bekannt und schon gar nicht, wenn nicht auch entsprechender Einsatz und Wertschätzung dahintersteckt. Seien Sie authentisch und anfassbar für Ihre Leser und verstecken Sie sich nicht hinter falschen Erwartungen.

 

Wenn Sie mit einem gesunden Selbstbewusstsein und einer realistischen Einstellung in die Vermarktung starten, lassen sich Niederlagen nicht nur leichter stemmen, sondern sogar vermeiden. Eine pauschale Zauberformel für die erfolgreiche Buchvermarktung gibt es leider nicht, aber das sollte Sie nicht davon abhalten, es zu versuchen und an Ihren Erfolg zu glauben!

 

Wichtige Punkte:

Zielgruppenforschung – wen sprechen Sie an und was erwarten Sie von Ihren Lesern?

Eigenes Kauf- und Leseverhalten betrachten

Regionale Besonderheiten aufzeigen

Auf jedes Feedback reagieren

Rezensionen/ Artikel/ Bilder teilen und online verfügbar machen

Authentisch bleiben

 

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