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Follower und Likes

Autorenbetreuer, Follower und Likes

Unser Verhalten ist heute fast ausschließlich auf die sozialen Medien ausgerichtet. Jeder hat ständig sein Handy in der Hand, alles wird gefilmt, fotografiert, geteilt und geliked – je mehr Likes und Follower, desto besser. So lästig das manchmal ist, so wertvoll ist dieses Medium aber für die Vermarktung (von Büchern). Nichts scheint einfacher, als sich über Instagram, einen Blog oder YouTube bekannt zu machen – wie oft hören und lesen wir von blutjungen Menschen, die über Nacht dadurch bekannt geworden sind.

Aber ist das wirklich so einfach und wie nutze ich das Medium richtig?

Ich selbst folge vielen meiner Lieblingsautoren in den sozialen Netzwerken und konsumiere alles, was sie mit mir teilen. Daneben hole ich mir Leseinspiration bei diversen Bloggern und Verlagen. Und das nicht erst, seit ich selbst in der Branche tätig bin. Nur sehe ich vieles natürlich mit andern Augen und auch kritischer.

Seit einiger Zeit setze ich mich intensiver mit dem Thema auseinander und versuche herauszufinden, wie man Follower generiert, ohne Bots zu nutzen oder random Likes von Usern zu horten, die sich eigentlich nicht wirklich für das interessieren, was wir vermitteln wollen. Dabei beobachte ich natürlich auch das Verhalten der Autoren, die ich betreue, und stelle immer mit Erschrecken fest, dass viele gar nicht auf die Idee kommen, sich als erstes einmal mit Freunden und Geschäftspartnern zu verbinden, sondern direkt das Unbekannte und Unerreichbare anstreben. Man sollte doch meinen, dass ein Autor, der gerade ein neues Buch herausgegeben hat und auch über einen Account bei Instagram verfügt, als erstes seinen Verlag, Illustrator, Lektor, Agenten oder Grafiker im Netz sucht und sich mit diesen verbindet. Easypeasy, bringt Sichtbarkeit und Reichweite. Und wer, wenn nicht diese Leute, sollten das Projekt nach vorne bringen wollen?!

Vor kurzem las ich einen Artikel darüber, dass man auf ein harmonisches Gesamtbild des Accounts achten sollte – das hat mich wirklich nachdenklich gestimmt und ich habe mal recherchiert, wie andere arbeiten. Und ja, es stimmt, sehr viele Autoren, Blogger und Verlage haben einen einheitlichen Stil – bestimmte Posen, Utensilien, Filter oder Ausdrucksweisen. Für mich hat das einen gewissen Wiedererkennungseffekt, es langweilt mich aber auch schnell, wenn jedes Bild gleich aussieht. Wenn alles immer in einem Farbspektrum gehalten wird, die Bücher farblich darauf abgestimmt sind und auch immer die gleiche Blume oder Figur danebenliegt, frage ich mich immer: Was hat das mit dem Buch zu tun, das mir gerade präsentiert wird? Sollte es nicht darum gehen? Scheinbar streiten sich die Geister darüber, denn ich bin auf keinen grünen Zweig gekommen.

Mein persönlicher Rat: seien Sie authentisch. Ja, die Bilder sollten gut gemacht sein und die Beiträge sinnvoll, aber Sie müssen nicht auf Teufel komm raus auf Einheitlichkeit achten – das kann man nämlich irgendwann auch nicht mehr sehen.

 

Viel wichtiger ist, dass Sie Ihre Leser mit Informationen füttern und auch mal Beiträge und Bücher anderer zeigen. Ständig nur sein eigenes Buch in die Kamera zu halten – vor allem dann, wenn es nur eins gibt – ist das Langweiligste, was Sie machen können. So werden Ihnen Ihre Follower schneller weglaufen, als Sie schauen können. Einen florierenden Instagram Account aufzubauen, braucht Zeit und Ausdauer – es kann ein echt frustrierendes Unterfangen sein, glauben Sie mir. Aber es macht auch Spaß und man entdeckt tolle Menschen und Bücher, die dann ganz schnell auf der eigenen Leseliste landen oder Illustratoren, mit denen man ein neues Projekt starten kann. Machen Sie sich zu Beginn einen Plan und nehmen Sie sich täglich einen Stunde Zeit, Ihren Account zu pflegen. Das gibt Ihnen Struktur. Sie müssen nicht jeden Tag etwas posten. Lieber dann, wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben. Aber nutzen Sie die Zeit, nach Personen oder Unternehmen zu suchen, die für Ihr Projekt interessant sein könnten, schauen Sie sich Verlagsseiten an, suchen Sie nach Bloggern, mit denen Sie arbeiten könnten. Sogar Buchhandlungen sind in den sozialen Netzwerken vertreten und auch ansprechbar. Nutzen Sie das Medium der »Direct Message« und fragen Sie, ob Sie Ihr Buch vorstellen dürfen. Mehr als eine E-Mail mit »nein« können Sie nicht bekommen.

 

Instagram entwickelt immer neue Spielereien. War es anfangs tatsächlich eher für Fotografen gedacht, ist es gerade das Medium schlechthin für alle Bereiche. Manchmal kann es auch einfach zu viel sein und überfordern: glauben Sie mir, das geht uns allen so. Diese Sache mit der Story hab ich noch immer nicht ganz kapiert und überzeugt hat sie mich schon gar nicht. Über dieses Feature kann man Beiträge entweder planen, oder deine Follower bekommen die Nachricht, dass du grade ‚live’ bist. Aber man kann alles einmal ausprobieren und es wird Ihrem Projekt nicht schaden, das zu testen. Sicherlich ist es ernüchternd, nicht sofort die Reaktion zu bekommen, die man erwartet, vor allem wenn man selbst total euphorisch ist und dieses Gefühl unbedingt mit der Welt teilen will. Letztlich ist es halt nur »digital«.

 

Der Psychologe Mischa Coster sagt, dass wir alle (unbewusst) nach Anerkennung und Bestätigung streben. Sie sind mit ihren Gefühlen also nicht allein. Alle, die Ihnen in der digitalen Welt begegnen, konsumieren aus den gleichen Gründen: sehen und gesehen werden. Sie müssen also nicht das Gefühl haben, sich anzubiedern und nach Komplimenten zu fischen. Die Lesercommunity ist genau so offen wie auch kritisch neuen Büchern und Autoren gegenüber. Sie werden nicht nur positive Rückmeldung erhalten, aber auch daraus können Sie lernen und jede Rückmeldung bringt weitere Follower. Sieht ein User, dass Sie viele Likes, Beiträge und Follower haben, wird er sich erfahrungsgemäß eher anschließen, als wenn Sie nur eine Handvoll Beiträge haben und keine Kommentare zu diesen.

 

Jede Reaktion braucht eine Gegenreaktion: So wie Sie sich wünschen, dass Leser auf Sie zukommen, möchte der Leser auch gesehen werden. Wenn Ihnen jemand also was Nettes schreibt und Ihnen folgt, bedanken Sie sich. Schauen Sie sich den Account des Lesers an und folgen Sie ihm, wenn Ihnen der Inhalt gefällt. Vergessen Sie dabei aber nicht, worum es Ihnen geht: Sie wollen sich als Autor und Ihre Projekte bekannt machen. Wir sind sehr empfänglich für das Glücksgefühl, das Likes und neue Follower auslösen. Ich selbst feiere jeden neuen Follower, den ich gewinnen kann. Vor allem die, die ich selbst richtig toll finde. Und es macht mich natürlich auch traurig, wenn jemand unsere Community verlässt oder sich negativ äußert. Das gehört aber zum Prozess dazu und hat nichts mit meiner Person selbst zu tun. Fühlen Sie sich also nicht persönlich angegriffen von Kritik – außer sie ist nicht konstruktiv und unter der Gürtellinie, da darf man ruhig mal persönlich in der Antwort werden. Sie treten als Autor auf – Professionalität ist gefragt. Der Grad zwischen Nahbarkeit und professionellem Auftreten ist schmal und man kann sich schnell verlieren. Nicht jeder User, der Ihnen nette Worte schickt, will gleich Ihr bester Freund werden, aber zu trocken sollten Sie sich auch nicht verhalten. Gerade dann, wenn Sie ein Genre bedienen, in dem auch viele jüngere Leser zu Hause sind, sollten Sie etwas lockerer auftreten und auch mal zu einem Herz-Emoji greifen.

Behalten Sie immer Ihre Zielgruppe Blick und richten Sie Ihren Account auch darauf aus. Liebesromane und Fantasy-Bücher sollten anders präsentiert werden, als Sachbücher und Thriller.

Das Wichtigste:

Entscheiden Sie sich bewusst für die Nutzung dieses Mediums und für das, was Sie posten. Einem allgemein erwarteten Run zu folgen, aber nicht dazu zu stehen, bringt nichts und wird Sie nicht zufriedenstellen. User merken es, wenn Accounts nicht gepflegt werden und der Betreiber eigentlich nichts zu sagen hat. Brachliegendes Land wird Ihnen keine Früchte bringen. Wenn Sie also keine Lust auf Social Media haben, lassen Sie es! Verkaufen Sie Ihre Seele und Ihr Wohlbefinden nicht für Likes!

 

 

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