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Über das Gründen eines eigenen Verlags – Im Interview mit Susana Camino

Über das Gründen eines Verlags

Viele Autoren berichten uns, dass sie lieber einen eigenen Verlag gründen, als einen Self-Publisher-Verlag für seine Leistungen zu bezahlen. Das steht natürlich jedem frei und fördert auch den Wunsch nach einem bunten Buchmarkt, auf dem sich jeder Autor nach Belieben austoben kann. Aber ist das wirklich immer alles so einfach und unterschätzen die meisten nicht auch die Schwierigkeiten, die damit einhergehen?

Susana Camino ist seit Jahren sehr erfolgreich auf dem kubanischen und deutschen Buchmarkt vertreten und hat nun ihren eigenen Verlag gegründet. Mit »Edition Camino« will sie ihre Bücher selbst auf dem spanischen Buchmarkt vertreiben und bekannt machen. Wir haben sie gefragt, wieso sie sich dazu entschieden hat und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hat.

 

Liebe Susana, du hast nun schon einige Bücher herausgegeben und dabei gerade in Kuba sehr große Verlage im Rücken. Wieso hast du dich entschieden, nun einen eigenen Verlag zu gründen?

Ich bin zu einem Perfektionisten am Arbeitsplatz geworden. Die Organisation und Disziplin in Deutschland hat mich dazu gebracht, einige meiner Bücher in meinem eigenen Verlag zu veröffentlichen. Dieser Markt ist sehr schwierig, und ohne gutes Marketing kennt dich niemand.

 

Was ist der Unterschied zwischen der Arbeit mit einem Verlagshaus und dem Selbermachen?

Alles hängt vom Verlag ab, der deine Bücher veröffentlicht. Wenn der Publisher das ganze Jahr arbeitet, um dein Buch zu verkaufen und den Autor zu promoten, dann ist es zweifellos ein guter Publisher. Wenn du dich entscheidest, einen eigenen Verlag zu eröffnen, musst du zuerst die Vor- und Nachteile studieren. Du musst dich des Schrittes sicher sein, den du gehen wirst, weil du jetzt für die ganze Arbeit verantwortlich bist.

 

Zu einer klassischen Buchproduktion gehören ja erst einmal das Lektorat, der Buchsatz und die Covergestaltung – machst du das alles allein oder holst du dir Hilfe?

 Edition Camino ist ein Editorial, das auf Spanisch veröffentlicht. Ich habe ein brillantes Team kubanischer Redakteure und Designer, die mit mir zusammenarbeiten. Wir lieben uns und haben Spaß zusammen zu arbeiten. In Deutschland habe ich die große Designerin Regina Steiner (Steiner2design), die sich mit dem Design der Homepage und dem Marketing beschäftigt. Wir sind schon eine Familie. Es ist wichtig, ein gutes Team zu haben. Alleine in einem Verlag zu arbeiten ist unmöglich.

 

Dein erstes Buch »Entre dos mundos« ist fertig. Wie organisierst du den Druck und den Vertrieb? Ist das nicht der aufwendigste Part?

 Für die Druckerpresse und einige Ratschläge hat mir mein deutscher Verlag »Deutsche Literaturgesellschaft« geholfen, wo ich meine Romane »Miriam« und »Der Liebhaber von Stammheim« veröffentlicht habe und ich sehe, dass sie mir in meinen literarischen Abenteuern nichts anhaben, weil sie an der Präsentation von „Entre dos mundos“ in Wien teilnehmen werden. Ich bin sehr glücklich. Für den Vertrieb habe ich mich entschieden, direkt mit Buchhandlungen in Kuba, Spanien und anderen spanischsprachigen Ländern zu sprechen. Aber auch Präsentationen sind wichtig, damit das Buch bekannt wird. Ich mag diese Arbeit, obwohl ich gestehe, dass es sehr schwer ist, weil es viele Stunden Organisation erfordert.

 

Hast du dir schon Gedanken um die Vermarktung gemacht? Verlage folgen da ja einem gewissen Ablauf und haben Standards. Entwickelst du selbst auch Marketing-Strategien oder lässt du das auf dich zukommen?

 Ich studiere viel Marketingstrategien, lese Bücher und lasse mich von meinem Team beraten. Meine Redakteure haben viel Erfahrung in der Sache, weil sie seit vielen Jahren auf diesem Markt sind. Ich mache die Arbeit nach und nach. Ich habe es nicht eilig. Ein Vorteil ist mein Name. Ich bin nicht berühmt, aber ich bin schon bekannt. Das erleichtert das Marketing.

 

 Wichtig ist ja auch die finanzielle Seite. Hast du vorher genau geplant, was du investieren musst und wie viele Bücher du verkaufen musst, damit du deine Kosten wieder rausholst?

Ich investiere alles selbst und Stück für Stück, ohne jemanden zu belästigen. Es spielt keine Rolle, wie lange ich brauche, aber ich weiß, dass es mir gelingen wird. Es ist gut, auch zu sagen, dass ich weiterhin mit dem kubanischen Verlag »Ediciones Cubanas Artex« zusammenarbeiten werde. Sie haben mich nach dem Roman Miriam (Spanische Version) gefragt und er wird bereits zum zweiten Mal herausgegeben. Wir werden es auf der internationalen Buchmesse in Havanna im Jahr 2019 präsentieren. Eine der wichtigsten Messen im spanischsprachigen Markt.

 

In Deutschland ist die Bürokratie und das Finanzamt ja sehr streng. Wie aufwendig ist es, einen spanischen Verlag zu leiten, wenn du selbst ja noch in Deutschland lebst und kannst du das gut mit den Behörden koordinieren?

 Es spielt keine Rolle, in welchem Land du die Bücher verkaufst. Ich lebe in Deutschland und hier muss ich Steuern bezahlen. Es ist wichtig zu wissen, dass der Verlag die Steuern an seinem Wohnort bezahlen muss. Und ich finde es richtig.

 

Dein Verlag steckt ja noch in den Kinderschuhen, aber hast du schon größere Ziele, die du verfolgst? Willst du zukünftig auch andere Autoren unter Vertrag nehmen?

 Ich habe eine riesige Liste von Autoren, die bei mir veröffentlichen möchten. Sogar bekannte Autoren, die mit ihrem aktuellen Herausgeber unzufrieden sind. Da ich noch am Anfang stehe und Erfolg haben möchte, denke ich, dass es am besten ist, es langsam anzugehen, alles gut zu studieren und von denen beraten zu werden, die mehr Erfahrung haben. Mit Geduld erreichst du das Ziel.

 

Vielen Dank für deine Zeit, Susana. Wir wünschen dir natürlich alles Gute und ganz viel Erfolg mit und für Edition Camino!

 

 

Susana Camino: Geboren am 03. Februar 1970 in Havanna, Schriftstellerin, Journalistin und Verlegerin, Mitglied des kubanischen Schriftsteller- und Künstlerverbandes (UNEAC)Als sie 1999 die Chance bekam, den besten Freund von Ernest Hemmingway, Gregorio Fuentes, in Cojimar zu interviewen, fing sie mit dem Journalismus an. Fünf Jahre später bot sich im Cine Latino in Stuttgart die große Gelegenheit, ein Interview mit Fernando Perez, dem Leiter des Cine Cubano, zu führen. Ihren ersten Roman „La Salahombres“ präsentierte sie am 18. Februar 2015 auf der Feria International del Libro de La Habana. Mit diesem Erstlingswerk stand der Mitgliedschaft im UNEAC und der Veröffentlichung der Romane „Dos Mundos“ und „La Cajita de Madera“ (im Buch „Cóctel de habaneras“) im Verlag Ediciones Cubanas nichts mehr im Weg. Seit 2005 leitet sie in Deutschland ihre eigene Sprachschule „Spanischkurse-Stuttgart“. Dort bietet sie ein vielfältiges Angebot an Kursen. Ob Anfänger oder Fortgeschrittener, jung oder alt – auch Sprachreisen in ihr Heimatland sind im Programm.

 

Bücher von Susana CaminoSusana Camino

„La Salahombres“ (Ediciones Extramuros, La Habana, 2015),

„Miriam“ (Deutsche Literaturgesellschaft, Berlín, 2016)

„Cótel de habaneras“ (Ediciones Cubanas, La Habana, 2018) y

„Der Liebhaber aus Stammheim“ (Deutsche Literaturgesellschaft, Berlin, 2018).

„Entre dos Mundos” (Edition Camino, 2018)

http://www.susanacamino.com

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One thought on “Über das Gründen eines eigenen Verlags – Im Interview mit Susana Camino

  1. sehr interessant—pendle selbst zwischen havanna und schweiz, bisher 16 publikationen–an treffen ( oct.) sehr interessiert !!!
    herzlichen gruss………….wolfram frank

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