von Sanya Lehmann
Buchläden sind nicht mehr die einzige Möglichkeit, Bücher zu erwerben – aber sie gehören immer noch zu den bekanntesten, auch wenn sich viel von offline nach online verschiebt. Dennoch verzeichnete der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 2024 einen Umsatzanteil vom Sortimentsbuchhandel am Gesamtumsatz von 41,3 %. Der Anteil des Internetbuchhandels lag bei 25,4 %. Alle weiteren Zahlen – beispielsweise der direkte Verkauf von Verlagen an Endkunden – liegen weit darunter.
Das bedeutet, Buchhandlungen, sowohl online als auch vor Ort, sind und bleiben die wichtigsten Partner bei Buchverkäufen.
Zweites Leben fürs Buch: Der Boom der Gebrauchtplattformen
Natürlich werden in Buchläden aber neue und frisch gedruckte Exemplare verkauft. Dass das „Einmal Lesen und dann ins Regal stellen“ zum Problem wird, zeigen die zahlreichen Plattformen zum Verkaufen von gebrauchten Büchern. Bookbot, Momox, Rebuy, Booklooker, … sie alle werben mit niedrigen Preisen, aber guter Qualität. Da die Liste der Anbieter so lang ist, werden sie vermutlich von Lesern viel und gern genutzt.
Denn das zu volle Bücherregal wird bei Viel-Lesern zwangsläufig irgendwann zu einem Problem, weshalb mit einem Besuch auf solch einer Plattform zum einen Platz geschaffen und zum anderen neuen Büchern, die dort zum Verkauf stehen, Aufmerksamkeit beschafft wird. Neue Autoren und Bücher können durchaus auf diesem Weg entdeckt werden und haben den Bonus der geringeren Geldhürde.
Nicht wo, sondern wie – neue Wege zum Buch
Mein Eindruck ist nicht, dass Leser ihre Bücher woanders kaufen als noch vor einigen Jahren – oder Jahrzehnten; da ich erst seit anderthalb Jahrzehnten auf der Welt bin, fällt das nicht in meinen persönlichen Erfahrungsbereich –, sondern eher, dass sie auf anderem Wege von ihnen erfahren und sich zusätzlich zum Printbuch weitere Medienarten etabliert haben.
Hören, lesen, streamen: Vom eBook bis zum Abo-Modell
Der Umsatzanteil von eBooks am Publikumsmarkt in Deutschland lag 2024 bei 6,1 %. Vierzehn Jahre davor lautete die Zahl noch 0,5 % (vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels). Zusätzlich von digitalen Büchern werden Hörbücher immer beliebter. Im Vergleich zu 2019 haben sie 2024 226,9 % (vgl. Media Control) mehr Umsatz erzielt.
Diese Zahlen bedeuten, dass nicht mehr nur auf das klassische Buch als Produkt gesetzt werden muss. Wobei ich persönlich die Mehrzahl an Möglichkeiten schätze, die Geschichte zu konsumieren, auf das reine Buch an sich aber nicht verzichten wollen würde. Im Grunde kommt das Hörbuch auch erst nach dem Buch – egal ob digital oder analog – weshalb diese Varianten koexistieren können.
Bei Hörbüchern und eBooks gibt es allerdings besserlaufende Abomodelle. Streamingplattformen für Hörbücher wie BookBeat und Audible sagen jedem etwas. Sie tragen maßgeblich zum Erfolg von Hörbüchern bei.
Für eBooks bietet Thalia beispielsweise eine eigene App namens Skoobe an. Mehr als 500.000 Titel sollen für einen monatlichen Beitrag erhältlich sein.
KindleUnlimited von Amazon funktioniert genauso. Ich kenne Leute, die fast ausschließlich nur dort lesen.
Ähnlich wie ein Abomodell funktionieren Webseiten oder Apps wie Inkitt. Dort werden die Geschichten kapitelweise hochgeladen und die Leser zahlen dafür. Auf beispielsweise Wattpad funktioniert das auch kostenlos.
Totgesagt und doch lebendig: Die Bibliothek
Bibliotheken möchte ich in der Aufzählung nicht unerwähnt lassen. Die öffentlichen Bibliotheken Deutschlands verzeichneten aufgrund von Corona ab 2020 einen gravierenden Rückgang an Besuchern, aber 2024 steht die Zahl schon fast wieder auf gleicher Höhe mit 2019. Auch das Ausleihen stirbt demnach nicht so bald aus und trägt ebenfalls zum Neuentdecken von Autoren und Büchern bei. Steht dort beispielsweise nur der erste Band zur Verfügung wird der zweite möglicherweise gekauft.
BookTok, Twitch & Patreon: Wie Autoren heute sichtbar werden
Ebenfalls erweitert haben sich die Möglichkeiten des Marketings. Als Leserin mag ich Auftritte auf Messen oder Lesungen von Autoren sehr gern, weil ich dann auch den Mensch hinter der Geschichte „kennenlernen“ kann.
Aus Sicht des Marketings geht es natürlich um Aufmerksamkeit für sich und das Buch. In der Werbepsychologie gibt es die Regel der Sieben, die besagt, dass ein potentieller Kunde die Botschaft durchschnittlich sieben Mal erhalten muss, um eine Handlung vorzunehmen (vgl. fischer-data-science).
Zahlreiche Buchverkäufe fordern demnach die bestmöglichste Sichtbarkeit des Buches. Dass es im Internet dafür so viele Möglichkeiten gibt, ist nur hilfreich. Ich habe bemerkt, dass es auch nicht immer das Buch selbst sein muss, das mein Interesse weckt. Es gibt Autoren, die auf Twitch streamen oder einen Podcast haben. Dort interessieren sich die Zuschauer oder -hörer für die Person an sich und finden irgendwann aus reiner Interesse zur Person zum Buch. Dabei muss es sich nicht einmal um buchigen Content handeln – wäre für die passende Zielgruppe aber zumindest zum Teil förderlich.
Ihr Leben oder ihr Buch finanzieren einige Autoren zum Beispiel über Patreon. Dort können exklusive Videos, Texte, Bilder oder Podcasts für alle hochgeladen werden, die bereit sind, monatlich finanziell zu unterstützen – die Beträge können selbst gewählt werden, beginnend bei einem Euro. So werden Communitys aufgebaut.
Andere soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube funktionieren ähnlich. Autoren können selbst auf sich aufmerksam machen und mit Lesern in Kontakt treten. Die Wichtigkeit und den großen Einfluss von den sozialen Medien sieht man zum Beispiel daran, dass es in manchen Buchhandlungen beispielsweise BookTok-Tische gibt. Mittweile wird jährlich sogar der TikTok Book Award verliehen. Soziale Medien können demnach viel Aufmerksamkeit schenken. Der Vorteil hier ist zudem, dass die Werbung auch von Lesenden für Lesende kommt. Buchblogger können tausende von Followern haben. Die Plattformen hier sind ebenfalls vielfältig: Videos auf YouTube, Podcasts auf Spotify, Posts auf Instagram.
Die persönliche Empfehlung der besten Freundin steht sehr hoch im Kurs, aber das Internet erweitert den Radius des „Bekanntenkreises“.
Goldlack und Farbschnitt: Wenn die Optik mitverkauft
Einen Trend, der vielleicht keiner mehr ist, weil er schon seit zwei oder drei Jahren existiert, beobachte ich bei Jugendbüchern, Fantasy und New Adult; die anderen Genres habe ich nicht im Blick.
Dort kommt jedenfalls kaum noch ein Buch auf den Markt, das keinen Farbschnitt, keine Charakterillustration oder eine andere Sonderaktion für die erste Auflage mit sich bringt – nur für die erste Auflage, damit diese bestenfalls schnell verkauft wird. Vorbestelleraktionen wie Signieraktionen laufen sehr viele über die Buchhandlung Graff.
Da demnach fast jedes Buch von Publikumsverlagen eine Sonderausstattung bekommt, stelle ich es mir für alle anderen Bücher schwieriger vor – auch wenn es uns allen eigentlich um den Inhalt sollte, kommen Bücher mit speziellem Goldlack, oder was auch immer es mittlerweile gibt, besser an als „normale“, die untergehen.
Leserunden und Rezensionen: Bücher gemeinsam entdecken
Ebenfalls einige Leser erreichen, können Plattformen wie Lovelybooks oder die Lesejury. Das sind nicht nur Plattformen zum reinen Rezensieren, sondern auch für Leserunden, bei denen Leser das Buch (manchmal als Print, manchmal als eBook) kostenlos bekommen, sich aber zum Schreiben von Rezensionen verpflichten. So können Leser außerhalb der ausgeschriebenen Blogger gefunden werden. Zusätzlich sind Leserunden eine gute Möglichkeit für den Autor, Leserfeedback einzuholen.
Fazit: Mehr Wege zum Buch als je zuvor
Zusammenfassend kann ich sagen, dass soziale Medien sehr präsent sind und ich auch von Autoren in beispielsweise Podcasts höre, dass sie immer wichtiger wurden in den letzten Jahren. Die vielen Möglichkeiten von Print über eBook zu Hörbuch mag ich sehr gern und eigentlich muss ich für mich selbst aufpassen nicht zu viele gut klingende Bücher auf einmal zu entdecken. Empfehlungen, Werbung oder einfach der Gang durch die Bibliothek halten so viele verschiedene Geschichten bereit, dass es für mich als Leserin auf jeden Fall nicht langweilig wird.