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Sinn und Sinnhaftigkeit von Pseudonymen

Kevin, Justin, Jason, Chantalle, Müller, Meyer, Schmidt … wir alle haben schon einmal über den ein oder anderen Namen gelacht, verbinden Klischees mit ihm oder haben Post mit unserem falsch geschrieben Namen erhalten. Unser Name macht uns ansprechbar – so natürlich auch der Künstlername/das Pseudonym.

 

Aber was ist eigentlich ein Pseudonym?

»Ein Pseudonymist ein fiktiver Name, der die Identität und den bürgerlichen Namen des Urhebers eines Werkes wahrt/verschleiert. Geläufige Bezeichnungen sind ebenso Künstlernameoder Alias

Künstlernamen sind geschützt, können in den Ausweis eingetragen und auch für rechtlich verbindliche Unterzeichnungen von Dokumenten verwendet werden. Nach dem Urheberrecht hat ein Künstler das Recht, festzulegen, unter welchem Künstlernamen er genannt werden will. Bei der Wahl muss natürlich auf die (Persönlichkeits)Rechte anderer Autoren* und Künstler geachtet werden. So kann man sich nicht einfach »Pippi Langstrumpf« oder »Harry Potter« nennen.

Aber wieso wählen einige Autoren einen anderen Namen und veröffentlichen nicht unter ihrem Klarnamen? Da gibt es natürlich verschiedene Gründe:

– Einigen geht es schlicht um die Vereinfachung und/oder Verschönerung des eigenen Namens.

– Manch einer möchte sich ein bestimmtes Image aufbauen und denkt, der eigene Name passe dazu nicht.

– Manche Autoren, die in einem bestimmten Bereich bereits bekannt sind, möchten neue Gebiete angreifen und das Genre wechseln. Wenn man zum Beispiel jahrelang Thriller geschrieben hat, ist es oft einfacher, Kinderbücher oder Liebesschmöker unter einem anderen Namen zu veröffentlichen, weil der »neue« Autor unbefleckt ist.

– Ein großer Punkt ist natürlich der Schutz der eigenen Person. Oft sind mit einem Buch Ereignisse verknüpft, die nicht mit dem Autor in Zusammenhang gebracht werden sollen, das angeschnittenen Thema ist zu heikel oder der Autor wünscht einfach, nicht als Privatperson erkannt zu werden.

– Gerade im Schmökerbereich und bei Liebesbüchern ist es manchmal einfacher, als Frau aufzutreten, sodass Männer oft das eigene Geschlecht verbergen wollen, weil sie befürchten, sonst nicht erfolgreich sein zu können oder ernst genommen zu werden.

 

 

Unter einem Pseudonym zu veröffentlichen ist also grundsätzlich kein Problem, aber ist es auch immer so schlau und zu Ende gedacht?

Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass viele – gerade Neuautoren – nicht bedenken, dass, wenn es bei dem Pseudonym nicht um den Schutz der eigenen Person geht, verbunden mit dem Wunsch, nicht öffentlich aufzutreten, der Künstlername auch als solcher transportiert werden und aktiv gelebt werden muss.

Das beginnt schon damit, dass man E-Mails dann nicht von einer Adresse aus schickt, die den Klarnamen trägt, sondern den Künstlernamen. Gleiches gilt natürlich auch für den Account auf Facebook, Instagram, Twitter, Pinterest, etc.

Wenn Sie einen Künstlernamen wählen, um ihr Privatleben von Ihrem Dasein als Autor zu trennen, dann müssen Sie Ihrem Alter Ego auch Raum geben und mit diesem aktiv auftreten. Für Sie als Autor heißt es dann, dass, wann immer es um Ihr Buch geht, Sie nicht als Max Mustermann auftreten, sondern als Autor Max Kunstfigur. Jedes Werbemittel trägt Ihren Autorennamen, Presseanfragen stellen Sie als Autor, Ihre Fans kennen Sie als Max Kunstfigur. Seien Sie konsequent und bauen Sie Ihre Autorenmarke mit Ihrem Alias auf. Ansonsten hat das Pseudonym wenig bis gar keine Daseinsberechtigung.

 

Interessant wird es im Bereich Biografie – da scheint ein anderer Name als der eigene erstmal sinnlos, denn immerhin erzählt man ja schon freizügig aus seinem Leben, wieso also nicht verraten, wie man heißt? Gerade hier ist es wichtig, die eigenen Beweggründe zu hinterfragen. Wieso habe ich als Autor den Wunsch, Details aus meinen Leben zu veröffentlichen, möchte aber gleichzeitig nicht sofort damit in Berührung gebracht werden.

Geht es um Erlebnisse, die Sie verarbeiten und mit der Welt teilen möchten, aber nicht um ein Standing als Autor? Wenn Sie das bejahen können, ist ein Pseudonym absolut sinnvoll und nachvollziehbar. Achten Sie dann aber auch unbedingt darauf, nicht nur Ihren Autorennamen zu ändern, sondern sämtliche Orts- und Personennamen; allein das Passierte sollte bleiben. Nur dann ist Ihre Anonymität auch gewahrt. Und bedenken Sie, dass ein Auftritt in einer Talkshow keine Option ist, wenn es Ihnen wirklich um Geheimhaltung geht. Auch hier spreche ich leider aus eigener Erfahrung: Es gab ein Beratungsgespräch mit einer Person, die unbedingt unerkannt bleiben wollte, aber das große Ziel hatte, in einer Talkshow über das Buch zu sprechen. Da fragt man sich dann schon, wie das zusammenpassen soll …

Möchten Sie total transparent sein und nichts verbergen? Dann ist ein Künstlername eigentlich nicht nötig und wenn doch, ist es hilfreich, wenn dieser die Nähe zum Klarnamen sucht. Heißen Sie also mit vollem Namen Maria-Maximilian Muster-Name wäre ein kurzes Maria Name denkbar und logisch. Das ist griffiger, einprägsam, spiegelt dennoch klar Sie als Person wider und macht das Werben einfacher. Sie müssen dann nicht jedes Mal erklären, dass Sie wirklich der Autor sind. Denkbar wäre nämlich auch, dass Ihre Leser sonst denken, Sie wären »nur« der Herausgeber, die Biografie aber nicht die Ihre. Das kann zu Unklarheiten führen, die man vermeiden sollte.

 

 

Grundsätzlich geht es bei der Wahl des Pseudonyms also immer um die Frage, möchte ich einfach nur mein privates Ich von meinem Künstler-Ich trennen oder möchte ich im Verborgenen schreiben. Geht es Ihnen um Ersteres, sollten Sie zwingend darauf achten, Ihrem Künstler-Ich auch eine Plattform zu geben und dieses auszuleben. Spielen Sie das Spiel dann auch zu Ende und hören Sie nicht auf halber Strecke auf!

 

 

*Liebe Autorinnen, selbstverständlich sind auch Sie gemeint. Der einfachen Lesbarkeit halber und meinem persönlichen Sprachgebrauch entsprechend, schreibe ich immer nur Autor. Nehmt es mir bitte nicht übel. Ein Hoch auf alle Autorinnen und Autoren! 😉

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