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Warum nicht alles selber machen?

selbst gemacht

Wir leben in einer Zeit, in der man eigentlich fast alles selbst machen kann. Es gibt Tutorials, Seminare, Bücher, Videos, Webinare … zu so gut wie jeder Thematik. Ob ein Haus in Eigenregie bauen, eine eigene Website erstellen oder eben auch ein eigenes Buch veröffentlichen. Mit ein bisschen Aufwand ist und Geschick dies alles möglich! Warum also sein Buch über einen Verlag veröffentlichen? Das Buch ist geschrieben, das Layout stimmt, ein Cover ist da und los geht’s in den Druck. Doch nun haben Sie einen großen Packen Bücher bei sich in den heimischen vier Wänden und wie geht es jetzt weiter?

Ob Sie es glauben oder nicht, wir erleben es nicht selten, dass sich Autoren melden, die über 1000 Bücher bei sich daheim liegen haben und gerne wissen möchten, was nun zu tun ist. Jetzt kommt eigentlich der schwierige Teil: Sie müssen Ihr Buch bekannt machen. Hoffentlich haben Sie bereits eine ISBN-Nummer und Ihr Buch auch im Verzeichnis der lieferbaren Bücher (Katalog des deutschen Buchhandels, der über 2,5 Millionen Bücher aus mehr als 21.000 Verlagen umfasst) angemeldet. Auch sogenannte Grossisten (Großhändler wie Libri und KNV, die Bücher verschiedener Verlage beschaffen und an gewerbliche Kunden weiterverkaufen) müssen Ihr Buch vorrätig haben, Buchhändler müssen informiert werden, auch bei den gängigen Online-Händlern, wie Amazon, muss Ihr Buch eingestellt werden (Das erledigt in der Regel das Verzeichnis der lieferbaren Bücher)

Aber auch wenn Sie dies alles erledigt haben, wäre es wichtig, dass Ihr Buch nicht nur verfügbar gemacht, sondern auch gekauft wird und hier ist Werbung unverzichtbar. Zusätzlich wünscht man sich in Zeiten der Express/Über-Nacht-Lieferung keine Verzögerungen mehr. Dauert es länger als 2-3 Werktage, bis ein Buch da ist, senkt das schon die Kauflust und man schaut sich nach etwas anderem um. Haben Sie für all das die nötigen Kapazitäten?

Viele Autoren entscheiden sich mittlerweile für den Selbstverlag ihrer Bücher nicht nur, weil man es als unbekannter Autor bei den großen Verlagen sehr schwer hat, einen Fuß in die Tür zu bekommen, sondern auch, weil natürlich der Gewinn erheblich größer ist. Sie müssen keine Abgaben an einen Verlag leisten, der Vertrieb verdient nicht an Ihnen, die Einnahmen gehen direkt an Sie – toll, oder? Hier ist schon der erste Trugschluss. Sie müssen natürlich an jeden Händler Rabatte abtreten. Amazon verlangt gerne 50% und Buchhandlungen müssen kostenlos beliefert werden, mit mind. 30% Rabatt und einem umfassenden Rückgaberecht.

Haben Sie aber auch Kontakte in die Welt der Werbung? Anzeigen in Zeitungen zu schalten ist nicht nur sehr kostspielig, sondern bringt in den meisten Fällen nichts. Was Sie benötigen, ist ein Netzwerk aus Medienvertretern, die über Ihr Buch berichten, oder es auch als Quelle für einen Artikel verwenden, so locken Sie Leser an!

Nutzen Sie die sozialen Medien für sich? Hier kann man sein Buch wunderbar bewerben, Kampagnen starten. Aber dies ist natürlich nicht mit einem einzigen Post getan. Ihre Social Media Seiten müssen Sie konsequent bespielen, Leseranfragen beantworten, Verlosungen betreiben und Ihre Leser bei Laune halten. Klar sind die Plattformen grundsätzlich kostenlos, aber Ihre Zeit ist es nicht, oder? Und so einfach, wie man sich das vorstellt, ist es auch nicht immer; gerade, wenn man gezielt werben möchte.

Facebook & Co lassen sich mittlerweile dafür bezahlen, Ihren Post sichtbar zu machen. Hier sollten Sie Ihr Budget gezielt einsetzen. Wer ist Ihre Zielgruppe, wann ist diese online, wie alt ist sie, was ist für diese Zielgruppe attraktiv? Wissen Sie all das – herzlichen Glückwunsch, dann steht einer erfolgreichen Vermarktung nichts mehr im Wege! Sollte dem nicht so sein, werden Sie vermutlich noch einige Zeit mit Ihren Büchern zusammenwohnen, denn das Drucken eines Buches ist heutzutage wirklich nicht mehr das große Problem, sondern all das, was danach kommt. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie all das auf sich nehmen möchten und vor allem auch können!

Hier kurz die wichtigsten Dinge, die Sie beachten sollten:

  • Buch schreiben/ Korrektorat/Lektorat/ Buchrückentext
  • Buch layouten (nicht einfach eine Word-Datei drucken lassen)
  • Cover erstellen
  • ISBN
  • Druck
  • Buch beim Verzeichnis der lieferbaren Bücher anmelden
  • Buch bei den Grossisten melden
  • Buch an die Nationalbibliotheken versenden
  • Marketing/Werbung/Vertrieb

 

Ein Verlag übernimmt, bis auf das Buch schreiben, all diese Punkte für Sie. Übernehmen Sie diese Arbeiten, können Sie natürlich eine Menge Geld einsparen. Sie haben, bis auf die Druckkosten keine Ausgaben!

Aber ist das wirklich so? Was ist mit dem kalkulatorischen Unternehmerlohn?

(Der kalkulatorische Unternehmerlohn ist im Rechnungswesen ein Teil der kalkulatorischen Kosten, die dem Unternehmer für seine Tätigkeit als Geschäftsführer fiktiv zugrunde gelegt werden. – siehe Wikipedia)

Wenn Sie Ihrer täglichen Brotarbeit nachgehen, wollen Sie auch bezahlt werden, oder etwa nicht? Berechnen Sie doch einmal anhand der Liste Ihren Lohn! Ihr Buch kostet also tatsächlich mehr als der Druck an sich.

Es ist natürlich Ihnen überlassen, ob Sie diese Arbeit unbezahlt ausführen möchten, sollten aber die Kosten im Hinterkopf behalten, wenn Sie sich über die Kosten von Self-Publishing Verlagen echauffieren! Denken Sie eine Minute nicht künstlerisch, sondern auch mal wie ein Unternehmer. Die Leute, die für Sie arbeiten und ihr Buch machen, leben davon. Was also kostet ein guter Lektor und Grafiker?Wie wird ein Buch gesetzt, so dass es nicht aussieht wie selbstgemacht, sondern perfekt und aus der Masse heraussticht? Wo bekommt man eine gute Druckerei her, die nicht nur das Projekt auf die Maschine legt, sondern ein Auge darauf hat und sogar auf Fehler in der Vorlage hinweist?!

Am Ende des Tages wollen Sie doch ein handwerklich gut gemachtes Buch, das Sie stolz präsentieren können und kein »selbstgemachtes Heftchen aus dem Copyshop« und das kostet nun einmal Zeit und Geld.

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